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Schöne, heile Eisenbahnwelt

23 Mrz

Applaus, Applaus!

Auf der Bilanzpressekonferenz am 21.03.2013 verkündete die Deutsche Bahn AG in Person von Vorstandschef Grube das beste Jahresergebnis ihrer Geschichte. Doch vor allem wir verspätungs- und ausfallgeplagten Bahnfahrer aus dem Ruhrgebiet, wo sich die Bahn AG erst vor relativ kurzer Zeit die Rechte zum Betrieb eines Großteils des Nahverkehrs vom VRR ergaunert hat, kennen die Art und Weise wie dieses zustande kommt, von erwirtschaften kann nämlich nicht wirklich die Rede sein. Dazu einige Fakten:

Den größten Batzen Geld macht die Bahn mit dem Personennahverkehr der hochgradig steuersubventioniert wird, trotzdem wird vom Fuhrpark über Netzausbau und -Instandhaltung bis zu den Stationen alles kapputtgespart, aber die Bahn macht Gewinn.

Nur noch an Hauptbahnhöfen von Städten über 250.000 Einwohner kann man sich halbwegs sicher sein mehr Servicepersonal als einen einsamen Wachmann einer Leiharbeitsfirma anzutreffen, aber die Bahn macht Gewinn.

Außer Berlin ist ganz Ostdeutschland vom echten Hochgeschwindigkeitsverkehr abgehängt, aber die Bahn macht Gewinn.

Das Tarifsystem ist intransparent, benachteiligt Gelegenheitsfernreisende, beschneidet die vielgelobte Flexibilität und sowohl am Automaten, im Internet und den ‚Servicecentern‘ (Fünf Euro ‚Servicegebühr‘ nach 30 Minuten Wartezeit) wird einem grundsätzlich ein unnötig teueres Ticket angedreht, es sei denn man hat vorher die Tarifbedingungen genau studiert, wozu man allerdings einen Universitätsabschluss in Wirtschaftsrechnen braucht und ist obendrein noch penetrant hartnäckig, aber die Bahn macht Gewinn.

Die Bahn will ihrer Belegschaft 2013 und 14 nur eine Tariferhöhung bezahlen die unter dem Inflationsausgleich liegt, das ohnenhin schon demotivierte und schlecht verdienende Service- und Sicherheitspersonal von dieser sogar ausnehmen und die Leiharbeit im Sicherheitsbereich ausweiten, aber die Bahn macht Gewinn.

Will eine Kommune (vor allem eine Kleinere) keine beschmierten und verfallenden Bahnhöfe und Haltepunkte muss sie sie in der Regel selber reinigen und warten, von Um- oder Neubauten gar nicht zu reden, aber die Bahn macht Gewinn.

Will die Bahn neue Großbahnhöfe und Prestigeobjekte muss die öffentliche Hand Milliarden hinzugeben, aber die Bahn macht Gewinn.

Die Bahn macht in Deutschland Gewinn und geht damit Spekulieren und im Ausland aufs Einkaufstour, aber der Bund bekommt seine Dividende.

Die Verkehrsministerien und Verkehrsdezernenten in Deutschland wissen dies alles. Trotzdem wird die Bahn AG in den Bereichen Ausschreibungen, Subventionen und Betriebsgenehmigungen gnadenlos bevorzugt, Kritiker in den eigenen Reihen mundtod gemacht und sogar gefeuert, aber der Bund bekommt seine Dividende.

Gruß Sera

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Jahresanfang und alles bleibt gleich

25 Jan

Hallo liebe Leser!

Dieses Blog scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Nachdem es nun schon aus mehreren Gründen größere Pausen gegeben hat, warf mich jetzt ein Bluthochdruckphänomen das sich laut Arzt irgendwo zwischen einer leichten Durchblutungsstörung im Gehirn und einem leichten Schlaganfall befindet für einige Wochen aufs Krankenlager und auch wenn es einem meiner WG-Mitbewohner recht schnell gelang Handy und MacBook ins Krankenhaus zu schmuggeln, musste ich feststellen das ich nicht in der Lage war längere Texte zu schreiben, so dass ich mich auf Linktipps über meinen Twitteraccount und ein bisschen redaktioneller Arbeit am Nordrhein-Westfalen Anzeiger der sich über gezielte Tweets mit Link und #NRW Hashtag ganz gut gestalten lässt, auch wenn er sich mittlerweile zum Selbstläufer entwickelt hat.

Also, es ist viel passiert in Essen und Umgebung, als erstes hätten wir da die unendliche Geschichte, na errät es jemand? Ja, der Schienengebundene Nahverkehr an Rhein und Ruhr. Jetzt scheinen die endlosen Mauscheleien um den Betrieb des VRR-Nahverkehrs endlich mal allen Beteiligten um die Ohren zu fliegen. Nachdem die Gerichte nun gezwungen sind eine Klage weiterzuverfolgen die Abellio vor einigen Monaten gegen die Bahn AG eingereicht hat, die heute aber niemand mehr will weil Abellio von der DB längst mit dem Betrieb der zwei S-Bahnlinien 5 und 8 bestochen werden sollte, kommt wahrscheinlich ein Altvertrag wieder zum tragen mit dem die Bahn letztes Jahr den VRR erpresst hat damit dieser den Schienenahverkehr bis 2023 ohne Ausschreibung in Ihren Händen belässt. Nachdem dieser Altvertrag den VRR zu sofortigen Zahlungen von 120 Mio Euro verplichtet hätte, der finanzielle Ruin von VRR und den dahinterstehnden städtischen Nahverkehrsunternehmen, ging der VRR auf die Erpressung ein und handelte einen Neuen, längeren Vertrag ohne Ausschreibung aus, welcher wahrscheinlich für ungültig erklärt oder zumindest vom Kartellamt zerpflückt wird. Da die Klage von Abellio mittlerweile zum Selbstläufer geworden und nicht mehr zuückgezogen werden kann, weil das Bundeskartellamt den Deal zwischen Abellio und der Bahn um den Betrieb der schon erwähnten S-Bahnlinien unterbunden hat, führt nun kein Weg mehr an der gerichtlichen Prüfung des neuen Vertrages zwischen DB und VRR vorbei der, weil ohne Ausschreibung vergeben, mit Sicherheit in Teilen, wahrscheinlich aber komplett, für nichtig erklärt wird.

Den ehemaligen VRR-Chef Husman wird es freuen er war aufgrund seiner Weigerung sich von der Bahn erpressen zu lassen vom NRW Abteilungsleiter im Bundesverkehrsministerium Wolff (CDU) gefeuert worden, der dafür die Stelle des Hauptgeschäftsführers beim DB gesteuerten Verbandes Deutscher Verkehrunternehmen bekam.

Da der VRR nicht in der Lage ist die dann anfallenden 120 Mio € zu begleichen wäre der VRR der ‚Vertragsbrecher‘ und könnte die Bahn nur noch dazu zwingen eine Art Notversorgung mit ausgedünnten Takten, verkürzten Zügen und Fahrzeugen der Wahl, also wahrscheinlich den ältesten Klapperkisten die rumstehen, anzubieten. Ein Zustand der von der Gerichtsentscheidung am 8. Februar an mehrer Monate Anhalten könnte, den so eine Ausschreibung braucht schon ihre Zeit. das würde der VRR und die Bahn dann endlich mal selbst miterleben. Auf die gegenseitigen Schuldzuweisungen in der Presse bin ich jedenfalls jetzt schon gespannt, außerdem bin ich gerade dabei mich nach einem gebrauchten Kleinwagen für die nächsten paar Monate umzusehen. Dies sollten alle SPNV Nutzer im VRR tun.

Dann versank die Stadt noch im Schneechaos und taute wieder auf. Allerdings langsamer und unter viel größeren Schwierigkeiten als alle anderen Städte im Pütt. (Natürlich wurde trotz verdoppelter Schneeräumgebühr in meiner Straße überhaupt nicht geräumt und wenn schon da nicht könnte ich mich mit der Abgabe vielleicht noch wohl fühlen wenn die Wirtschaftsbetriebe die Innenstadt und sonstige Fußgängerzonen sowie die EVAG-Anlagen eisfrei halten würden aber natürlich, die 107 fuhr bekanntermaßen tagelang gar nicht und den Versuch meine Großeltern in Borbeck am Heiligen Abend zu besuchen bezahlte ich mit einem verstauchten Fuß und einigen herrlichen blauen Flecken auf meiner Schulter und dem rechten Arm. Ich hatte doch tatsächlich gedacht, nachdem ich mit der S-Bahn bis zum Borbecker Bahnhof gekommen bin, würde es mir gelingen die letzten 500m auch noch zurückzulegen. Dummerweise entsprechen diese 500m der Marktstraße die den Hügel hoch zum Germaniaplatz führt. Ich kam mir vor wie beim Eiswandklettern, nur dummerweise ohne Pickel und Krallenschuhe und trotzdem ich es zum Schluß auf allen Vieren probiert habe bin ich diesen Sch***hügel nicht hochgekommen. Insgesammt fünf Stunden sinnloses Fahr-, Lauf- und Friervergnügen am heiligen Abend, danke Stadt Essen, danke EVAG, aber sowas haben bestimmt viele Essener erlebt, also fahren wir mal weiter.)

Um Fantastische 122,4 Mio wurden die letztjährigen Sparvorgaben und -vorhaben der Stadt Essen übertroffen an deren Erarbeitung wir über diese nette Homepage mit den Sparprojekten zum anklicken wir für die Zukunft ja alle mitarbeiten konnten (Nur zu dumm, das die Bürger Sparschwerpunkte setztendie den Stadtoberen s wenig ins Konzept passten, dass das ganze, selbst millionenschwere Projekt, schnell in der Versenkung verschwand). Für den Stadtkämmerer ein Grund zu feiern und genauso weiter zu machen. Bravo!

(Natürlich sollte dabei nicht unter den Tisch fallen das der Kahlschlag in der Essener Bäderlandschaft, dem Kulturangebot, soweit es nichts mit dem Kulturhauptstadtjahr zu tun hatte (mit anderen Worten Projekte wo die Kruppbonzen keine Millionen steuervorteilhaft versenken konnten), dem Sportangebot, der Schulförderung usw. zum großen Teil gar nicht nötig gewesen wäre, ganz zu schweigen davon, dass man die sprudelnden Steuereinnahmen die den Etat 2010 doch noch rumgerissen haben durch die massive Gewerbesteuererhöhung dafür wohl für die nächsten Jahre abgewürgt hat. Ach ja, nicht unerwähnt bleiben sollte, dass man die Bürger nun entgültig wie Zitronen ausquetscht da man praktisch sämtliche städtische Gebühren und Steuern, vom Parken bis zum nicht erfolgten Schneeräumen, massiv erhöht hat, teilweise mehr als verdoppelt. Das wird dafür sorgen das die Stadt Essen in Zukunft noch schneller als bislang (wohlhabende) Bürger verlieren wird, die ihren schönen Einkommensteueranteil natürlich mitnehmen und in Zukunft an Velbert, Mühlheim oder Haltern bezahlen werden. Und last but not least die Personaleinsparungen wie dem Beförderungsstop, was dafür sorgt das sehr gute Kräfte abwandern und die Moral bei den restlichen ins Bodenlose sinkt, dem verdeckten Personalabbau durch die Nichtverlängerung von Zeitverträgen und dem Verbot von Neueinstellungen, der schon jetzt in einigen Bereichen zu so schwerem Personalmangel führt das fest geplante städtische Projekte wie beispielsweise eine Dauerausstellung zur Essener Geschichte nicht umgesetzt werden können und natürlich trifft es wieder zuerst den Kulturbereich. Schauen wir uns die Stadtbibliothek an, das Personal ist unter der sowieso in den letzten Jahren zusammengestrichenen Sollstärke und teilweise überaltert. Der Anschaffungsetat ist ein Witz und es dürfte wohl wieder nur eine Frage der Zeit sein bist die nächsten Zweigstellen die Öffnungszeiten noch weiter reduzieren oder ganz schließen. Also Herr Paß und Herr Stadtkämmerer Klieve: Bravo! Machen sie so weiter und Essen schafft sich ganz alleine ab, dann gibt es auch keine Probleme mehr.)

Gruß Sera

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Bahnstreik – Nehmt es nicht so schwer

26 Okt

Vorher einen klärenden Satz: Ja ich bin politisch recht weit links der Mitte anzutreffen, ja ich bin Gewerkschafter und ja ich denke die Arbeitgeber haben in Deutschland viel zu viel Macht. Trotzdem bin ich meiner Meinung nach bei der Bewertung des angezeigten Themas recht objektiv.

Auch wenn mein erster Impuls heute Vormittag war mich zu Ärgern weil die S-Bahn von Essen nach Oberhausen nicht fuhr (siehe NRZ-Artikel)  und die U-Bahn- und Tramodyssee die dann folgte meine Fahrtzeit verdoppelte sollte man sich immer zuallererst ansehen worum es geht.

Quelle: Ernst Ruh; http://www.pixelio.de

Die im zunehmenden Masse auf den deutschen Markt drängenden Bahnfirmen schaffen es bei Ausschreibungen von Verkehrsverbünden, Gebietskörperschaften usw. immer wieder die Deutsche Bahn AG ohne größere Probleme zu unterbieten und das obwohl sie damit beschäftigt sind eine Infrastruktur aufzubauen und neue Fahrzeuge zu beschaffen, hauptsächlich weil sich die Bahn AG weigert gebrauchtes fahrendes Material zu verkaufen und sogar runderneuerte oder fast neue Züge lieber verschrottet, was eigentlich eine strafrechtlich relevante Vernichtung von volkseigenen Eigentum bedeutet, da die Bahn ja immer noch mehrheitlich dem Bund gehört, aber das ist einen andere Geschichte. Im ersten Moment denkt man natürlich erst einmal gut, dann müsste das Bahn fahren ja billiger werden, aber genau das passiert nicht. Die Fahrpreise weit über 90% aller Regionalzugkilometer in Deutschland werden über Tarife von Verkehrsverbünden oder sonstigen Zweckgemeinschaften abgerechnet und die stoßen sich erst einmal Gesund bevor sie daran denken, und bis dahin sind andere Kosten soweit gestiegen das die Endpreise mindestens gleich bleiben, wenn nicht sogar trotzdem steigen. Die wenigen Strecken die nicht verbundgebunden sind, sind entweder teilweise (z.Bsp. über Wochenend- oder sonstige überregional gültige Tickets) in die DB-Tarifstruktur eingebunden oder werden sogar komplett von der Bahn AG abgerechnet. Also sind die Einnahmen von PEG, Abelio und Arriva (die mittlerweile mehrheitlich der Deutschen

Bahn AG gehört, ich bin mal gespannt wann die Auslagerung von Arbeitsplätzen anfängt) an den übernommenen Strecken maximal gleichhoch, oft geringer als vormals die der DB AG.

Wie können diese Anbieter also weniger für die Streckennutzung bieten als die Bahn. Praktisch ausschließlich über die Löhne der Arbeiter und Angestellten. Es hat sich eingebürgert das diese Firmen für gleiche Tätigkeiten bis zu einem Drittel weniger bezahlen (bei mehr Arbeitsstunden) als die Bahn AG und hier waren die Tarifabschlüsse mit ausgenommen der wenigen Gelegenheiten wo die Bahngewerkschaften mal Zähne gezeigt haben in den letzten Jahren auch schon nicht besonders üppig.

Wenn sich die Gewerkschaften jetzt mal aufraffen, meiner Meinung nach viel zu spät, diesen Zustand zu korrigieren und bindende Tarifabschlüsse für alle auszuhandeln muss man ihnen auch den entsprechenden Spielraum lassen. Es ist im Moment nervig aber es wird mal wieder Zeit in diesem Land den Arbeitgebern, und nicht nur denen aus dem Bahnbereich, zu zeigen, dass die Richtung bei Lohnhöhen nicht immer nur nach unten auf den Niedrigstlohn zielt. Die Pro-Kopf-Produktivität ist in Deutschland eine der höchsten der ganzen Welt und gemessen daran verdienen wir weniger als ein ukrainischer oder chinesischer Arbeiter. Wir Deutschen müssen den Arbeitgebern langsam mal klarmachen, dass wir uns nicht damit abfinden, dass dies ein Dauerzustand bleibt.

Also die Streiks sind unangenehm dienen aber auf jeden Fall dem passenden Zweck und senden ein deutliches Signal in die richtige Richtung.

Außerdem ist Essen mit allen Nachbarstädten durch gute Bus oder Tramverbindungen verbunden (Mühlheim U18, 104; Gelsenkirchen U11, 107; Bottrop SB16, 186; Oberhausen U18 – 112, 103/05 – 185) usw. Das verlängert natürlich die Fahrtzeiten aber ich bitte alle dies für die paar Tage und dem wirklich guten Zweck das mal zu ertragen und den Gewerkschaften gegenüber ihr Wohlwollen nicht zu verlieren, außerdem ist das Ganze auch nicht so viel schlimmer als die normalen Pannen bei der Bahn.

Gruß Sera


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