Ausfälle im ÖPNV – Kranke Fahrer im kranken System

1 Aug

Nun, wer diesen Blog auch nur ansatzweise kennt weiß, eins meiner Lieblingsthemen ist der öffentliche Nahverkehr und wenn man mal von den üblichen Sommerlochmeldungen von ausgefallenen Klimaanlagen und heißgelaufenen Elektromotoren absieht (Sein wir ehrlich, die gibt es zu jeder Hitzeperiode) gibt es eine besorgnisserregende Enwicklung, auch bei der EVAG, die sich meiner Meinung nach in den nächsten Jahren noch verschärfen wird:


Schnelle Busse, immer seltener in NRW-Innenstädten
(Bildinfo Title: Rasanter Bus, Quelle: MacLatz/www.pixelio.de)


Der hohe Krankenstand bei Nahverkehrsunternehmen, insbesondere während etwas aufregenderer Perioden wie den warmen Sommermonaten oder der Grippezeit wird momentan von mehrerern Tageszeitungen wie der WAZ/NRZ, der Rheinischen Post usw. thematisiert. Dies nimmt sogar Ausmasse bis zum Ausfall von ganzen Umläufen an. Manche Artikel nennen sogar die Überalterung des Fahrpersonals und die vielen Fälle relativ früher Berufsunfähigkeit als mitverursachende Gründe, lassen aber die journalistische Tiefe in der Ursachenforschung dieser Begründungen und auch der anderen Faktoren vermissen, die eigentlich recht leicht ist: Zum einen die Privatisierungen, zum anderen Rationalisierungen die aus nichts anderem als einem wahren Raubbau an den Kräften des Pesonals bestehen.

Zuerst aber lassen sie uns die Überalterung etwas genauer unter die Lupe nehmen. Seit einigen Jahren gibt es EU-Richtlinien die vorschreiben, dass ein gewisser Prozentsatz des ÖPNV durch Privatunternehmen geleistet werden muss. Der Sinn dieser Richtlinien war ursprünglich einmal einen Wettbewerb in puncto Preisen und Attraktivität zwischen privaten Anbietern und denen der öffentlichen Hand zu schaffen. Aber wie üblich gibt es Schlupflöcher und so haben es zumindest die deutschen öffentlichen Nahverkehrunternehmen geschafft diese Regelungen zu Ihrem Vorteil und nicht zuletzt zum Nachteil der Angestellten zu unterlaufen. Man ist nämlich einfach hingegangen und hat fest integrierte, und meist ungeliebte, Linien oder teilweise sogar nur einzelne Fahrten an Privatunternehmer abgetreten die so fest in die restliche Netzstruktur integriert sind, dass die Privaten da gar nicht mehr rauskommen bzw, auch nicht wollen um die bestehenden Verträge nicht zu gefährden. Gleichzeitig blockieren die Besitzer der öffentlichen Unternehmen, nämlich die Städte und Kommunen, die Erteilung neuer Linienkonzessionen und so bleibt alles beim alten. Essen beispielsweise hat gleich das komplette ungeliebte und nicht besonders rentabele Nachtnetz an ein Privatunternehmen abgegeben. So entstanden natürlich gewaltige personelle Überkapazitäten die praktisch überall einen Einstellungsstopp nach sich zogen. Seit einiger Zeit ist Frühverrentung nun auch nicht mehr möglich und so wird das Personal nun seit über einem Jahrzehnt immer älter ohne das ‚frisches Blut‘ nachkommt. Ältere Arbeitnehmer haben nun mal einen etwas höheren Krankenstand als die Jüngeren und man ist nie auf den Gedanken gekommen da rechtzeitig vorzubauen. Außerdem müssen die Privaten um die unrentableren Linien betreiben zu können besonders kostengünstig fahren. Das heist in Deutschland immer: Niedrigste Bezahlung, Zeitverträge, hohe Arbeitsbelastung und ganz allgemein eine schlechtere Behandlung der Arbeitnehmer. Also haben die auch hohe Krankenstände. Es ist schließlich nachgewiesen, dass jemand der nicht weiß ob er in drei Monaten noch einen Job hat und 300 Stunden im Monat arbeitet angespannt und gesundheitlich angreifbar ist. Auch wenn er sich im Hinblick auf seinen unsicheren Arbeitsplatz bemüht möglichst wenig krank zu feiern. Außerdem möchte ich nicht in einem Bus sitzen in dem der Fahrer im falschen Moment einen Hustenanfall oder eine Schmerzattacke erleidet.

Aber auch die Arbeitsbelastung der Fahrer der öffentlichen Hand ist gestiegen. Ein schlechtes Beispiel wäre da Duisburg. Die DVG missbrauchte schon vor einigen Jahren eine Öffnungsklausel im Tarifvertrag die irgedwann einmal mit der ÖTV vereinbart und bei Neuverhandlungen immer übernommen wurde, die besagte das die Umlaufzeiten an den Linienendpunkten in Notlagen, gemeint waren eigentlich mal Personalmangel oder erhöhter Personalbedarf während Großveranstaltungen oder schlechtem Wetter, nicht mehr als Arbeitszeit berechnet werden. So hat man kurzerhand die schlechte Finanzausstattung der Stadt zur Notlage erklärt und die Fahrer arbeiten gewohnheitsmäßig und unendgeldlich ein bis zwei Stunden länger am Tag. Viele andere Städte sind auf ähnlche oder noch kreativere Ideen gekommen um ihren Angestellten das Letzte abzupressen. Hier ist alles vorhanden von der Streichung von Urlaubstagen bis zur Glattrechung von Wochenend oder Nachtarbeit oder einfacher Erhöhung der Arbeitsstunden. Dies zieht natürlich zusätzlich zur Überalterung einen höheren Krankenstand durch die teilweise massiv gesiegene Arbeitsbelastung nach sich. Ebenso eine höhere Zahl von vorzeitiger Berufsunfähigkeit die, die Personaldecke noch mehr ausdünnt. Hinzu kommt die Tatsache das der Verkehr in Großstädten immer dichter und hektischer wird und man für die Bedienung macher Busse und Trams mittlerweile eine IT-Abschluss braucht. Auch der sich verschärfende gesellschaftliche Umgangston und das mittlerweile beinahe unerträgliche benehmen vieler Schüler trägt zur Stressentwicklung bei.

Die Allroundlösung dieser Probleme ist klar. Wieder mehr Fahrer einstellen und die Arbeitsbelastung etwas zurückfahren, wäre auch gut für die Sicherheit. Um die Kosten dabei im Rahmen zu halten wären die im WAZ-Artikel über die Rheinbahn angesprochenen Kombidienste für ältere Arbeitnehmer eine Lösung, also vier oder fünf Stunden fahren um dann den restlichen Arbeitstag über etwas anderes zu machen. Ich hatte der EVAG vor ein paar Monaten schon mal nahegelegt auch dieTicket-Kontrolleure keinen ganzen Arbeitstag durchmachen zu lassen weil die dann zunehmend unfreundlich werden, dies wäre schon eine Überschneidung. Weiter gibt es ja auch noch Leitstände, Disposition, Funkzentralen und die Alterteilzeit. Mit ein wenig Goodwill ließe sich da sicher einiges machen, man muss aber einen Weg finden die Städte unter Druck zu setzen, sonst bewegen die sich keinen Meter. Außerdem muss man auch Verdi mal in den Arsch pardon den Allerwertesten treten damit auch die Situation der Fahrer bei Privatunternehmen mal verbessert wird. Aus Oberhausen weiß ich das zumndest die StOAG recht genau hinhört wenn sich eine größere Zahl von Abonnenten zu Wort meldet. Könnte man in Essen auch mal versuchen. Meine Kommentarfunktion und eMailadresse sind bekannt und Koordinieren kann ich gut.

Gruß Sera

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