Wie Frau Krafts sozialer Arbeitsmarkt den Zivildienst ersetzen soll

14 Apr

Liebe Leser,

Als ich das erste Mal von Frau Krafts seltsamer Idee des sozialen Arbeitsmarktes hörte, also schwer vermittelbare HartzIV-Empfänger praktisch unentgeltlich im sozialen Bereich arbeiten zu lassen und die (Verwaltungs-)Kosten hierfür weitestgehend durch den Bundeshaushalt zu bestreiten, dachte ich, ich muss es zugeben, zuerst dies sei ein Testballon um eine eventuelle Koalition zwischen SPD und FDP nach der NRW-Wahl vorzubereiten.

Allerdings war eine andere Angelegenheit meinem Fokus entglitten an die mich ein NRZ-Artikel wieder erinnert hat, nämlich die geplante Verkürzung des Wehr- und des Zivildienstes auf sechs Monate und die Folgen die dies auf das Sozial- und Gesundheitswesen hätte. Die Überschneidungen zwischen dem Zivildienst und dem geplanten HartzIV-Sklavendienst sind signifikant.
Beides besteht aus Zwangsarbeit, beides wird aus Bundesmitteln finanziert und beides soll angeblich dazu dienen zusätzliche Aufgaben zu leisten, wobei vom letzten Punkt genausoviel zu halten ist wie beim bisherigen Zivilldienst oder den Ein-Euro-Jobs.

So ist die Marschrichtung klar. Der soziale Arbeitsmarkt soll den Wegfall der Zivis kompensieren statt den Missbrauch zu beseitigen der hier seit Jahrzenten betrieben wird, denn auch Zivildienstleistende dürfen eigentlich keine Aufgaben übernehmen die in den Bereich regulärer Berufsfelder fallen. Mit anderen Worten der Zivldienst erbringt Leistungen die eigentlich durch zehntausende, wahrscheinlich hunderttausende, reguläre Arbeitsverhältnisse von Krankenschwestern, Altenpflegern usw. erbracht werden müssten die momentan natürlich nicht eingestellt werden und auch wieder nicht eingestellt werden wenn sich Frau Kraft mit ihrer Idee durchsetzt. Wie viele reguläre Jobs ohne Zivis geschaffen werden müssten kann ich nicht mal annähernd abschätzen, da jede Erhebung in diese Richtung von der Regierung gnadenlos unterdrückt wird, weil sich so ja Jahrzehnte des Missbrauchs genauer beziffern lassen könnten.

Ein Wort noch zur Wehrpflicht. Ich denke wir wären mit einer Berufsarmee besser dran kann aber auch die Gründe des Staates verstehen sie beizubehalten (Ich selbst war bei der Bundeswehr Sanitäter, also praktisch ein Zivi mit militärischer Grundausbildung) sehe aber auch dringenden Handlungsbedarf bei der Wehrgerechtigkeit. Die Zahl der tatsächlich Gemusterten ist so gering, dass es eher einem Glücksspiel gleicht ob man gezogen wird oder nicht, als der körperlichen und geistigen Eignung. Außerdem finde ich es höchst ungerecht das Männer zum Wehrdienst gezwungen werden und Frauen dies nur auf freiwilliger Basis tun. Ja meine Damen, ich war schon immer der Meinung das Gleichberechtigung in beide Richtungen funktionieren muss, man bzw. Frau kann sich nicht nur die angenehmen Seiten herauspicken. Wenn also Wehrpflicht dann nur für beide Geschlechter und außerdem nicht unter einem Jahr. Kürzer macht es eigentlich keinen Sinn. Auch nicht für den Zivildienst.

Gruß Seraquael

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2 Antworten to “Wie Frau Krafts sozialer Arbeitsmarkt den Zivildienst ersetzen soll”

  1. michaeleriksson 2010/04/14 um 15:30 #

    Die Timing ist zwar ein Zeichen dafür, dass alles nicht im Reinem ist, allerdings sind die jeweiligen Ideen, einzeln genommen, Sachen, die ich selbst vorgeschlagen habe:

    Die Militärdienst ist eine Zwangsarbeit, die Männer von Studien und Erwerbsarbeit in eigener Sache abhält und die abgeschafft gehört.

    Die Hartz IV Empfänger werden schon bezahlt, und es wäre nicht unangemessen, wenn sie bei langfristiger Arbeitslosigkeit auch eine Gegenleistung erbringen würden. Zudem würde dies die Arbeitsscheuen, die es ja auch gibt, davon abhalten, das System zu missbrauchen. (Hiermit nicht gesagt, dass ich dem diskutierten Vorschlag in Detail zustimmen würde: Es kann sein, dass es Aufgaben gibt, die nicht angemessen und zumutbar sind; dass Menschen, die viel in dem System reinbezahlt haben, als sie noch arbeiteten, ausgenommen werden sollten; usw.)

  2. seraquael 2010/04/15 um 10:33 #

    @michaeleriksson
    Das Timing offenbart die Absicht ohne Zweifel, wenn man erst mal daran denkt eins und eins zusammenzuzählen.

    Was den Wehrdienst angeht tendiere ich auch eher zu einer Berufsarmee kann aber auch der Wehrpflicht mit Sicht auf die heutige Jugendkultur einiges in punkto Disziplin, Benehmen und staatsbürgerliches Verhalten abgewinnen. Nur müssen wir dann wieder zu einer echten Wehrgerechtigkeit zurückfinden.

    Zu der Bezahlung von HartzIV Empfängern: Die Gegenleistungen werden ja schon in Form von Ein-Euro-Jobs erbracht von denen die meisten HartzIV-Empfänger sogar gerne mehr machen würden. Das Problem sehe ich in der Umwandlung von regulären Beschäftigungsverhältnissen in Ein-Euro-Jobs bzw. dann in diese Sozialjobs die alles in allem trotzdem nur einen Bruchteil eines Altenpfleger oder Krankenschwestern Tariflohns einbringen würden, bei gleicher Tätigket, dass ist schlichtweg Ausbeutung und Arbeitsplatzvernichtung. Es wurden nach der Einführung des ALGII mehrere 100.000 Jobs vernichtet und dies würde bei Frau Krafts Idee auch wieder geschehen, da sich die Kommunen und Wohlfahrtsverbände nicht an die Vorgaben halten und dies nur als Instrument einsetzten würden um Geld zu sparen. Dies war und ist beim Zivildienst und den Ein-Euro-Jobs zu beobachten und würde auch im sozialen Arbeitsmarkt geschehen. Alles zusammen erschwert dies Arbeitslosen massiv wieder in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis zu kommen und sollte deshalb mit äußerster Vorsicht behandelt werden.

    Ich weiß das die meisten Skandinavier pathologische Sozialdemokraten sind, trotzdem muss man die deutsche Ausgabe sozialdemokratischer Politiker, vor allem der jüngeren Generation, mit großem Misstrauen begegenen und alles genau hinterfragen und analysieren. Das musste ich in den letzten Jahren leider lernen. Ich selbst war früher bei den JuSos kann mich aber nicht mehr mit der SPD identifizieren und meine Großeltern, die mit Hermann und Luise Albertz per Du waren sind vor einiger Zeit nach über 50 Jahren aus der SPD ausgetreten. Dies zeigt an Einzelbeispielen was in der jüngeren Vergangenheit mit dieser Partei geschehen ist.

    Gruß Sera

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