Röslers Pharmapreislüge

27 Mrz

Nun verlassen wir das Ruhrgebiet und wenden uns nach Berlin und Bundesgesundheitsminister Rösler zu. Dieser Bundesgesundheitsminister lässt sich als Held feiern weil er mutig hoch zu Roß gegen das Preisdiktat der Pharmakonzerne vorgehen will. Von wegen, werfen wir doch mal einen genaueren Blick auf das was Minister Rösler während seiner Amtszeit tun will und schon getan hat:

Praktisch seine erste Amtshandlung bestand darin den pharmalobbykritischen Chef des IQWiG-Instituts zu entlassen, Peter Sawicki war dafür zuständig neue Medikamente zu testen und in die vorhandenen Preiskategorien einzuordnen wenn die Wirksamkeit nicht höher war als bei bereits eingeführten Medikamenten oder den Pharmakonzernen zu gestatten einen eigenen Preis festzulegen wenn das Medikament eine wirkliche Neuerung darstellte. Er versuchte seit Jahren die Praxis der Pharmakonzerne ein zu dämmen eine Gesetzeslücke auszunutzen die durch das lange Prüfverfahren entsteht. Während des Verfahrens bis zu dessen Abschluss darf der Konzern nämlich schon mal seinen eigenen provisorischen Preis festlegen. Wenn IQWiG dann, häufig erst nach über einem Jahr, eine Einordnung vornimmt und einen Preis nach den vorhandenen Kategorien festlegt wird, wird ein winziger Teil der Molekularstruktur oder irgendein Inhaltsstoff verändert der keinen Einfluss auf die Wirksmakeit hat (z. Bsp. Binde- oder Konservierungsmittel) und das ganze Verfahren beginnt von vorn. Herr Sawicki setzte sich massiv dafür ein diese Praxis zu unterbinden und/oder das Prüfverfahren zu verkürzen. So war er der Pharmaindustrie natürlich ein gewaltiger Dorn im Auge da sie Ihre Geldmaschine in Gefahr sah (es gab und gibt Medikamente die so mit 5000 prozentigem Gewinn verkauft werden) und Herr Rösler hatte nichts besseres zu tun als nach seiner Amtsübernahme die Entlassung voranzutreiben, auch wenn offiziell der Verwaltungsrat des Instituts dafür verantwortlich ist stimmten nur die Mitglieder die der Pharmaindustrie angehören oder aus dem Bundesgesundheitsministerium entsandt werden für die Entlassung, die Vertreter der Krankenkassen waren empört.

Als nächstes geht es der Importquote an den Kragen. Zur Erklärung: Seit einigen Jahren müssen Apotheken mindestens fünf Prozent ihres Umsatzes mit importierten Medikamenten erzielen. Diese werden von einigen Firmen im Ausland eingekauft, teilweise neu verpackt und mit deutschen Beipackzetteln versehen und sind dann immer noch um 25 Prozent billiger als vergleichbare deutsche Präperate. Zu Beginn der Quotenregelungen waren es sogar noch bis zu 50 Prozent, das heißt es gibt sogar einen Effekt über die Einsparungen durch die Quote hinaus weil die Pharmakonzerne die Preise entsprechender Medikamente gesenkt haben. Diese Quote soll nun abgeschafft werden. Dies wäre eine eins zu eins Umsetzung einer Forderung des Verbandes forschender Pharmaunternehmen und dessen Hauptgeschäftsführerin Cornelia Yzer, der Frau die in der Anne Will Sendung vom 7. März 2010 so wunderbar demontiert wurde, unter anderem bei dem Versuch die Preisungleichheiten gleicher Medikamente, gleicher Hersteller in der EU zu erklären, wobei in Deutschland natürlich immer ein Preis verlangt wird der im Schnitt um ein Drittel höher liegt als im EU-Durchschnitt.

Eine weitere Yzer Forderung die wörtlich umgesetzt werden soll ist eine Einschränkung der IQWiG-Kompetenzen. Das Institut soll neue Medikamente nur noch dann auf seine Wirksamkeit prüfen wenn sich Pharmaindustrie und Krankenkassen, über längere Zeit nicht auf einen Preis einigen können. Natürlich während die ganze Zeit über der frei fesgesetzte provisorische Preis der Pharmakonzerne gilt. Das verlängert das ganze Prüfverfahren noch einmal um Monate wenn nicht Jahre und macht die Spielereien mit winzigen Änderungen an den Zusammensetzungen der Präperate noch lukrativer.

Fassen wir zusammen: Herr Rösler, der weiße Ritter im Kampf gegen das Preisdiktat der Pharmaindustrie hat sich anscheinend mit Frau Yzer, einer der höchsten Repräsentanten der Pharmalobby zusammengesetzt und nachgefragt welche verfrühten Weihnachtsgeschenke zur weiteren Umsatzsteigerung der Pharmaindustrie er ihr machen kann. Hoffentlich fällt keiner mehr auf diesen Agenten der Pharmalobby im Bundesgesundheitsministerium rein oder hat die FDP in letzter Zeit wieder mal hohe Parteispenden bekommen, bei den Hotels hat es ja auch gewirkt. Bis jetzt hat der Bundestagspräsident noch keine veröffentlicht. Aber Spenden unter 20.000€ von vielen Pharmakonzernen und ihren vielen Tochtergesellschaften läppern sich ja auch.

Euer Seraquael

Startseite

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: