Der Farce zweiter Teil – Hungernde (Grund-)Schulkinder in Oberhausen

11 Feb

Ich habe hier einen WAZ -Artikel verlinkt der sich mit der Problematik beschäftigt, dass viele Kinder ärmerer oberhausener Familien, die das Ganztagsangebot der Grundschulen wahrnehmen, von der Oberhausener Tafel mit einem Mittagessen versorgt werden müssen, weil sich die Eltern den Preis für das reguläre Essensangebot der Schulen nicht leisten können, vor allem da sie teilweise auch noch bis zu 50€ mtl. für dieses Betreuungsangebot zahlen müssen.

Bislang sind es 13 der 41 Grundschulen in Oberhausen an denen die Notwendigkeit besteht, die Tendenz zeigt steil nach oben, und das auch erst nachdem bis zu einem Drittel der Kinder die in der Ganztagsbetreuung sind monatelang ohne Mittagessen auskommen mussten. Weiter gibt es keine Zahlen darüber wie es an den bislang nicht von der Tafel belieferten Grundschulen aussieht oder welches Bild sich an den weiterführenden Schulen bietet, aber es dürfte in vielen Stadtteilen ein Ähnliches sein.

 Da muss man sich doch fragen wo man in Deutschland hinkommt wenn der Staat und die Stadt schon auf die Hilfe einer Armenspeisung angewiesen sind um ihre Schulkinder mit einem ausreichenden Mittagessen zu versorgen.

Bitte verstehen sie mich da nicht falsch, ich bewundere die Arbeit der Tafel bzw. der Tafeln in Deutschland und begreife auch warum sie immer notwendiger werden und wohl auch bald zum Alltag vieler Menschen gehören aber für diesen Zweck sollten sie nicht in Anspruch genommen werden.

Ähnlich wie der Reporter habe ich mal mit einigen Bekannten diskutiert ob den die Preise für die Mittagessen nicht in einem Bereich sind die sich alle Eltern sowieso leisten können müssten und kam auf recht unterschiedliche Ergebnisse:
Die vorherrschende Meinung scheint zu sein das insbesondere Eltern die staatliche oder städtische Unterstützung in irgendeiner Form beziehen genug Geld haben um das zu bezahlen und vor allem die ermäßigten Sätze für Wohngeld- und Hartz IV-Empfänger seien mehr als ausreichend. Dazu möchte ich schreiben das Familien, die die ermäßigten Betreuungssätze zahlen als Wohngeldempfänger sowieso schon in einem Einkommensbereich liegen der in der Nähe von ALGII angesiedelt ist und die zehn Euro weniger im Monat da kaum ins Gewicht fallen. Vor allem da sie den vollen Essenspreis zahlen und täuschen sie sich nicht, selbst ein Facharbeiter mit einem oder zwei Kindern kann heute schon in einem Einkommensbereich fallen der um oder sogar unter Hartz IV-Niveau liegt. Und auch der Euro den ‚echte‘ Bezieher von ALGII zahlen müssen ist viel Geld, da zieht auch das Argument nicht, dass man das Kind ja auch zu Hause mit einem Mittagessen versorgen müsste. Nudeln mit Käsesauce, Spinat oder Ketchup, gebratener Reis mit Zwiebeln oder Curry bilden, wie ich aus einigen Umfragen weiß, häufiger eine sättigende wenn auch nicht unbedingt gesunde oder ausgewogene Mahlzeit für Hartz IV-Empfänger und verursachen, wenn für drei oder mehr Leute gekocht, Kosten, die weit unter einem Euro pro Person liegen. 
Die andere recht häufig anzutreffende Meinung ist die, das die Eltern dafür da seien ihr Kind mit Essen zu versorgen, was an sich auch stimmt aber wenn die Eltern das nicht können ist es ein Armutszeugnis für ein immer noch so reiches Land wie Deutschland das die Schulen mit Hilfe gespendeter Lebensmittel eine Versorgung auf die Beine stellen müssen, anstatt von vornherein zu sagen das Mittagessen ist zumindest für ärmere Familien kostenfrei. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und sage selbst wenn die Eltern aus eigenem Verschulden nicht über ausreichende Geldmittel verfügen um das Mittagessen zu bezahlen oder es absichtlich nicht tun, sollte der Staat die Kinder schützen und einspringen, den die Kinder für die Versäumnisse der Eltern leiden zu lassen ist das absolut letzte, was nicht mal unser so kinderunfreundliche Staat wirklich ernst meinen kann. Ich weiß, dass man damit Menschen Tür und Tor öffnet die dann dieses Geld einfach nur sparen wollen aber zum Preis dafür, das in einem Land wie Deutschland Kinder nicht hungern müssen, muss man da wirklich noch überlegen?
Die kleinste Gruppe sind diejenigen die mir zustimmen und sagen das an dieser Sache etwas faul ist. Dies ist leider eine Minderheit die allerdings nicht nur aus armen Menschen besteht sondern vielfach Solche enthält die einfach nur wissen schwierig es ist mit Kindern in Oberhausen über die Runden zu kommen.
 Allerdings muss man dazu sagen, wundere ich mich auch ein wenig über Eltern und Medien. Eine Anne Will Sendung mit dem Titel: „Mitten in Deutschland und trotzdem muss mein Kind hungern“ wäre mit Sicherheit der Knaller. Entweder tragen die Eltern das, wahrscheinlich aus falscher Scham heraus, nicht in die Öffentlichkeit, wobei man dazu nur schreiben kann, dass der weitaus größte Teil dieser Familien unverschuldet in diese Lage gekommen ist und jemand der sein Kind ernsthaft vernachlässigt nicht auf diese Weise dafür kämpfen würde, oder was ich persönlich beunruhigender fände die Medien greifen es nicht auf. Über ein Thema das dort mit hinein spielt nämlich der Kampf gegen die lächerlich niedrigen ALGII- und sonstigen Berechnungssätze für Kinder tauchte nämlich auch erst in den Medien auf als es schon ein erstes, recht schwammiges Urteil des Bundessozialgericht gab, das die ganze Sache eigentlich nur weiter ans Verfassungsgericht verweist.

Ich hoffe ich konnte die Sache ein wenig beleuchten und den ein oder anderen Denkanstoß geben.

Gruß
Ihr Seraquael

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