Die StO.AG – Wisst Ihr eigentlich, was für ein Glück Ihr habt?

9 Feb

So, ich hatte ja im letzten Eintrag Besserung gelobt, was die Meckerei angeht, deshalb auch jetzt mal ein kleines Loblied auf eine echte oberhausener Institution:


Viele Oberhausener die ich treffe scheinen wirklich nicht zu wissen welch eine Riesenglück OB mit dem ÖPNV, vor allem dem Busverkehr der StO.AG, hat. Keine, wirklich keine, Stadt in Deutschland von vergleichbarer Größe oder Einwohnerzahl kann da was besseres vorweisen und auch kaum eine der Größereren, was Linien- und Taktdichte angeht. Der Busverkehr der DVG in Duisburg ist ein schlechter Witz, nicht einmal ein Guter, die Busfahrer unfreundlich und teilweise gemeingefährlich (Wenn man mal vergisst seine Fahrkarte zu zeigen, was ich schon mal tue weil die Fahrer in OB das nicht verlangen, wird man praktisch mit vorgehaltener Waffe dazu aufgefordert, auch wenn die auf Oberhausener Gebiet in der 939 oder 908 unterwegs sind) und in Essen muß man schon in der Nähe einer U-Bahn oder Tram wohnen und auch seine Ziele so wählen wenn man mit ähnlich guten Ergebnissen wei in OB rechnen will, Mülheims Busverkehr wollen wir hier gar nicht erst weiter erwähnen. Trotzem hört man an jeder Bushaltestelle gemecker darüber wenn der Bus mal zwei Minuten zu spät ist oder auf der SB90 mal ein Standard- statt eines Gelenkbusses auftaucht. Ich bitte Sie, natürlich ärgern mich Verspätungen und Gedrängel, aber an Ersterem sind zu 99% idiotische Autofahrer und an Letzterem Ausfälle aufgrund von Fahrzeugschäden Schuld.

Wie im ersten Eintrag schon mal erwähnt habe ich den größten Teil der letzten 15 Jahre in Heidelberg verbracht und auch eine gewisse Zeit in den USA. Das bedeutet Dreierlei, erstens kenne ich den ÖPNV der Metropolregion Rhein-Neckar sehr gut, zweitens, einen öffentlichen Personennahverkehr der praktisch nicht existent ist weil nur Linien eingerichtet werden die sich selbst finanzieren oder aber absolut notwendig dafür sind eine Stadt vor dem Verkehrskollaps zu bewahren und drittens, habe ich den direkten Vergeich zum Oberhausener Nahverkehr vor 1996, also dem Jahr eins der CentrO.-Zeitrechnung und das Eröffnungsjahr der Trasse. Und Kinder ich muss Euch sagen…
In Heidelberg gibt es drei städtische Tramlinien die mit einer Ausnahme, nämlich der nach Leimen, in einem relativ eng begrenzten Gebiet unterwegs sind und eine Überlandlinie nach Mannheim. Wenn man an einer dieser Trams wohnt hat man Glück es gibt auch noch eine winzig kleine Anzahl Buslinien die die Altstadt/Uni mit einigen touristischen Zielen verbinden und alle 20 Min verkehren aber ansonsten kann man froh sein wenn man einen Stunden- oder sogar Zwei-Stunden-Takt vorfindet, Nachtlinien exitieren so gut wie gar nicht und die letzte S-Bahn der DB verlässt Heidelberg gegen 0 Uhr, ach ja, von Samstag mittag bis Montag morgen fährt vielerorts gar nichts und Wochentags ist auch oft schon um 18 oder 19 Uhr Schluß, in Mannheim und Ludwigshafen sieht es nicht viel besser aus und gerade Ludwigshafen ist gut mit OB zu vergleichen, Arbeiterstadt, zwar etwas geringere Einwohnerzahl als OB aber die Ausdehnung stimmt in etwa, Verlust sehr vieler (Chemie-)Arbeitsplätze in den letzten Jahren und großer Nachbar (Mannheim) dem es auch nicht viel besser geht. Hier gibt es auch nur einige gut ausgebaute Tramverbindungen ein, zwei Buslinien die regelmäßig verkehren und kein Nachtnetz. Was uns in die USA führt. Hier wird ein ÖPNV nur sehr zögerlich eingerichtet und bekommt wenn überhaupt nur eine Beihilfe um über die Startschwierigkeiten hinwegzukommen, außerdem müssen Wegerechte in den meisten Bundesstaaten teuer erkauft werden und wenn es mal einen lohnende Strecke gibt konkurieren gleich ein halbes Dutzend Unternehmern miteinander um die Filetstücke des Netzes zu betreiben. Hier gibt es selbst in Großstädten riesige Gebiete die überhaupt nicht erschlossen sind, weil die Anbindung nicht lohnt oder nicht die richtigen Zubringerstraßen entlastet würden. In Los Angeles beispielsweise existieren 90% der U-Bahn und Buslinien nur weil der Verkehr sonst auf vielen Highways nicht mehr unter Kontrolle zu bekommen wäre. Zu guter Letzt: Oberhausen vor 1996 Erheblich weniger Linienkilometer, kein Takt dichter als 30-minütig und absolut unaktraktive Ver- und Anbindungen und ach ja von OB-Mitte nach Sterkrade brauchte man da im Schnitt noch mindestens eine halbe Stunde und ein Nachtnetz war gerade mal in Ansätzen zu erkennen und viele Buslinien wurden von Samstag mittag bis Montag morgen nicht bedient.

Also liebe Oberhausener, schauen Sie sich diese Beispiele an und kramen Sie in Ihren Erinnerungen ein bisschen nach der schlechten guten alten Zeit und Sie werden sehen das ich recht habe. Wenn also der Bus das nächste mal ein bisschen zu spät oder klein ist giften Sie den Busfahrer nicht an, der kann normalerweise am allerwenigsten dafür und denken Sie daran, Sie könnten es soviel schlechter treffen. Schon das Nachtnetz ist dichter als das Tagnetz der meisten anderen Städte und aufgrund der hohen Auslastung praktisch alle StO.AG-Linien sind die Subventionen die die Stadt zu leisten hat sogar vergleichsweise niedrig.

Da dies nun doch nicht ausschließlich ein Loblied auf die StO.AG sein soll, auch wenn sie es verdient hat, habe ich noch ein Anliegen. Laut den verrückten Plänen die Aufgrund des Spardiktats der Bezirksregierung Düsseldorf erdacht werden, soll der oberhausener ÖPNV mehr als eine Million Euro einsparen was defacto den Todesstoß bedeuten würde. Deshalb dürfen die Pläne der Bezirksregierung und des Stadtrates keinen Erfolg haben. Da geht es nämlich nicht darum einer stark verschuldeten Stadt zu helfen (die Pro-Kopf-Verschuldung einiger anderer NRW-Städte ist höher), sondern die letzte von der SPD regierte Großstadt in NRW zu schleifen und dies soll unter anderem dadurch geschehen das der Nahverkehr und andere wichtige Bereiche der Infrastruktur kaputtgespart wird. Zum Beispiel Einstellung der SB95, Ausdünnung der Takte und NE-Verkehr bereits ab 21 Uhr dann aber nur alle 90 Minuten oder zwei Stunden. Also schreiben sie Ihren Stadtrat, protestieren Sie bei der Bezirksregierung und tun Sie alles was Ihnen einfällt damit der Oberhausener ÖPNV nicht geopfert wird, dann hätten Sie nämlich wieder wirklich Gründe sich aufzuregen.

Gruß
Ihr Seraquael

PS Dieser Link führt zu einem WAZ Artikel die den Angriff der Bezirksregierung mit den Artikeln auf die verwiesen wird noch einmal ein wenig beleuchten. Die Informationen über die Sparmassnahmen stammen von verschiedenen StO.AG Fahrern und sind wohl mittlerweile auch anderweitig veröffentlicht worden

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